RHEIN-NECKAR SPEYER-REPORT PFALZ-REPORT

Bilder: Grabungstechniker Helmut Stickl, archäologische Maßnahme am Mittelsteg im Hasenpfuhl/Speyer.

Fotos: Bernhard Bumb

 

 

 

 

26.01.2012

 

 

 

Fantastische Entdeckungen der vergangenen zehn Jahre

 

In Gruben und Gräben

Archäologie im Stadtkern Speyers von 2002 bis 2012

 

Speyer. - Einen sehr interessanten Vortrag hörten rund 60 Besucher im Konferenzraum der Landwirtschaftlichen Untersuchungs- und Forschungsanstalt (LUFA) über die archäologischen Grabungen der vergangenen zehn Jahre im Stadtkern von Speyer. Referent Helmut Stickl, Grabunsleiter der Generaldirektion Kulturelles Erbe des Landes Rheinland-Pfalz in Speyer, wurde dem Publikum von Professor Dr. Franz Wiesler, Wissenschaftlicher Direktor der LUFA, vorgestellt. Deutlich wurde im Vortrag, dass die Römerzeit der pfälzischen Domstadt stellenweise nur 60 bis 80 Zentimeter unter Straßen und Plätzen liegt.

 

Den Schwerpunkt bildete die römerzeitliche Vergangenheit. Unter anderem wurde dem Plenum die Bereiche der drei bekannten Kastelle im Zentrum des Stadtkerns vorgestellt. Ein herausragendes Beispiel aus zehn Jahren Forschung in Gruben und Gräben war eine römerzeitliche Heizanlage mit Bodenheizung im Bereich der Webergasse. Etwa 700 römerzeitliche Münzen kamen durch Bauarbeiten im Bereich der Werkstraße ans Tageslicht.

 

Blicke gewährte der Vortrag in spätantike Gräber und auf ein Skelett, das im ehemaligen Kreuzgang des Allerheiligenstiftes gefunden wurde. Als einen "fantastischen Fund" bezeichnete Stickl römerzeitliche Töpferöfen im Bereich der Zeppelinstraße aus dem ersten Jahrhundert n. Chr. Reste einer Holzkonstruktuion in der Nähe des Hauses Pannonia konnten ins Jahr 1545 datiert werden. Als aufschlussreich habe sich eine Latrine aus dem 14. Jahrhundert erwiesen, hieß es.

 

Nicht nur Exponate und Grabungsstellen wurden gezeigt, Stickl erläuterte auch die Vorgehensweise und Grabungsmethoden. Der Grabungsleiter machte klar, dass grundsätzlich keine Baumaßnahme wegen archäologischen Grabungen Nachteile hätte. Rund 1000 Gräber aus alten Speyerer Zeiten befänden sich im Bereich des Priesterseminars, sagte Helmut Stickl. Anhand mehrerer Grabungsbilder konnte der Archäologe zeigen, wie Speyer in den zurückliegenden 2000 Jahren Stadtgeschichte nach oben gewachsen ist - bedingt durch Einebnen und aufschütten. -bb-