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Bild/bb: Besucher bei der Ausstellungseröffnung

AUSSTELLUNG: Mauern, Türme, Tore der Freien Reichsstadt Speyer / „miese Wohngegend“

Welch ein Anblick für den Reisenden, der sein Ziel, die Freie Reichsstadt Speyer, vor sich gesehen hat. Mächtige Mauern, 68 Wehrtürme, dazu die Türme und Spitzen der Kirchen, Klöster, Stifte und des Domes. Das machte Eindruck. Von den einstigen Stadtmauern, den Toren und Türmen können sich seit vergangenen Mittwoch die Besucher im Altpörtel, dem höchsten mittelalterlichen Torturm Speyers, in einer neuen Dauerausstellung, die von Oberbürgermeister Hansjörg Eger eröffnet wurde, ein Bild machen.

In der Stadt sind nur noch wenige Stadtmauern sichtbar und mit dem Altpörtel nur sechs Wehrtürme erhalten, die Masse der Befestigung wurde zwei Mal gründlich zerstört, demoliert, die Reste schließlich bewusst abgerissen. Die abgegangenen Mauern waren eines Tages militärisch nutzlos und standen der Stadtentwicklung im Weg. Es gibt außer vier Eisenkugeln, die zum Abfeuern in feindliche Reihen gegossen wurden, keine Originale zu sehen – einerseits aus konservatorischen, andererseits aus sicherheitstechnischen Gründen. Aber die Kopien sehen so echt aus.

Aus drei Perspektiven lässt sich die neue Dauerausstellung betrachten: Aus der Sicht des Ankommenden, hier die Außenwirkung der Stadtbefestigung, vom Standort dessen, der die Innenbereiche der Befestigungsanlagen, die Wohngegend der Randgruppen der städtischen Gesellschaft in Augenschein nimmt und aus der Sicht dessen, der sich mit der Stellung der Stadt im Reich, dem Stadtrecht, der städtischen Ordnung und der Verteidigungsbereitschaft Speyers befasst.

Dr. Matthias Preißler spannte beim Pressegespräch und bei der offiziellen Eröffnung unter anderem einen Bogen des Militärwesens Speyers vom 9./10. Jahrhundert bis zum Aufkommen der hochtechnisierten Barockwaffen, der Artillerie, die mittelalterliche Mauern schließlich irgendwann sinnlos machten. Hier gibt es Geschichte zum Anfassen, beziehungsweise zum Aufsetzen. Eine originalgetreue Nachbildung eines Schutzhelms kann sich jeder Besucher aufsetzen und ein Selfi machen.

Unter Glas liegt schon seit 20 Jahren im Altpörtel ein Plan der Stadt Speyer aus der Zeit um 1525. Ein Bild zeigt einen Speyerer Fahnenschwinger des städtischen Militärwesens. Dargestellt – sieht eher aus wie ein Comic – ist eine Schlacht. Thematisiert ist die Landwehr, nach Dr. Preißler ein übles, bis zu 20 Meter breites und 10 Meter hohes Dornengestrüpp an den Grenzen des städtischen Territoriums. Der Wissenschaftler verwies auf den Einsatz der Zünfte an den Stadtmauern. Zur Sprache kamen die „unehrlichen“ Einwohner, die am Rand der Stadt, an den Mauern lebten – Preißler: „miese Wohngegend“. Die Kopie eines Dokuments informiert diesbezüglich übers Dirnenwesen.

Lions Club spendet 25.000 €

Diese informative Ausstellung – Preißler: „Eine tolle Sache in einem der wichtigsten Gebäude der Stadt“ - und die Ausstellung zum Thema Reichskammergericht, in der 4. Etage, konnte mittels einer Spende in Höhe von 25.000 Euro vom Lions Club verwirklicht werden. Dafür dankte OB Eger dem Präsident der Löwen, Dr. Harald Schwacke. Die Gestaltung der Dauerausstellung lag in den Händen des Leiters des Stadtarchivs, Dr. Joachim Kemper, des Historikers Dr. Matthias Preißler und des Studenten Marcel Flach.

Bilder-Galerie: Speyer-Report vom 22. April 2015

Angedacht ist die Anschaffung einer nachgebauten Hellebarde. Eger kann sich zusätzlich die Präsentation einer originalgetreuen Armbrust vorstellen. Dr. Kemper gab bekannt, dass zur Ausstellung „ein kleiner Katalog“ erscheinen wird. -bb-

TIPP: Die Ausstellungen zur Stadtbefestigung und zum Reichskammergericht sind während den Öffnungszeiten des Altpörtels zu sehen: Mo bis Fr von 10 bis 12 und 14 bis 16 Uhr, Sa, So und an Feiertagen von 10 bis 17 Uhr. Das Altpörtel ist vom 2. November bis 31. März geschlossen.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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