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Joachim Roßhirt © Bernhard Bumb

„8 nach 8“ mal anders – als Rückblick auf 100 Jahre literarische Höhepunkte anlässlich 100 Jahre Stadtbibliothek

Wie immer stets bewährt, ganz subjektiv und erfrischend vom Buchhändler Joachim Roßhirt

Speyer. - Joachim Roßhirt hat sich etliche Bücher „angeschaut“, klar, er hat diese auch gelesen, die in der Zeit von 1921 bis 2021 erschienen sind. Für jedes Jahrzehnt hat der Buchhändler einen Titel auserkoren. Wer sich für Neuerscheinungen im jetzigen Frühjahr interessiert und von Roßhirt zum Kauf animiert werden will, muss sich noch einige Tage gedulden.

   Sein Ding war bisher auf Neuerscheinungen neugierig zu machen oder manche zu zerrupfen. Und nun war‘s was anderes, was die Stabi wollte. Der Gast mit leichten Grinsen: „...nach Zögern habe ich dummerweise nachgegeben“. Der 100-Jahre-Rückblick am vergangenen Donnerstag (24. März):

   „Im Westen nichts Neues“ von Erich Maria Remarque, „einfach brillant“. „Das kunstseidene Mädchen“ von Irmgard Keun – obwohl keine Jüdin galt das Buch als im Dritten Reich entartet, weil der Inhalt den Nazis nicht passte.

   Zu den herausragenden Werken des 20. Jahrunderts zählt Roßhirt „Das 7. Kreuz“ von Anna Seghers, ein Roman über die Flucht von sieben Häftlingen aus einem Konzentrationslager während der Zeit des Nationalsozialismus. Roßhirt: „Ein Lese-Hit“.

   Erwähnt wurden Titel von Heinrich Böll, Siegfried Lenz - „eigentlich Nachkriegschronisten“ - und Günter Grass, dessen Buch „Blechtrommel“ einer der meistgelesenen Romane. Dann Hermann Hesse, der mit seinen Büchern die Rockszene beeinflusst habe: Steppenwolf, Santana…

   Putin habe das Buch „Archipel Gulag“ des Schriftstellers Alexander Issajewitsch Solschenizyn als Schullektüre empfohlen – man staune! „Grauenvoll“, was der Autor schreibe, er schildere die Zustände in Straflagern der Sowjetunion, er habe mit dem Buch einen Hype ausgelöst, „aber ein entöniges Buch“, so Roßhirt. Gulag, ein Parallel-System der KZ in der Sowjetunion.

   Roßhirt erinnerte an „Das Geisterhaus“, an „Harry Potter“ („revolutionäre Entwicklung der Trickfilme“), Philip Roth: „Das Alter ist ein Massaker“ und an Ernest Hemingway. Roßhirt: „Nicht alles, was mit dem Literatur-Nobelpreis behängt wurde, ist in Bibliotheken zu finden“.

   Die Pfalz durfte an diesem Abend in der Stabi nicht fehlen: Roland Betsch, ein viel gelesener Autor - „Die Ballade am Strom“, und Max J. Pfeiffer - „Kyrie Elision“, das während der NS-Zeit in Deutschland nicht verkauft werden durfte. Dieses Buch sei „nicht die schlechteste Empfehlung“, merkt Roßhirt an.

   Tipp: Neuerscheinungen präsentiert, lobt oder zerreißt Roßhirt am 2. Juni, wieder abends um „8 nach 8“ in der Stadtbücherei Speyer. - bb

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