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Rützhaubstraße © Speyer-Report

Speyer: Rützhaubstraße unter Denkmalschutz

Oberbürgermeisterin Stefanie Seiler lässt Denkmalschilder anbringen

Ab heute ist die Rützhaubstraße ein denkmalgeschütztes Objekt. Der Stadtvorstand, also OB Seiler, Bürgermeisterin Kabs, die Beigeordneten Münch-Weinmann und Selg, haben dies in Absprache mit dem städtischen Denkmalamt und der Direktion der Denkmalpflege (Kleine Pfaffengasse) entschieden. Anwohner*innen und Eigentümer*innen haben dieser Entscheidung zugestimmt.

 

 

   Da abzusehen ist, dass die Rützhaubstraße wirklich nie mehr modernisiert wird, lässt man sie so, wie sie sich in den vergangenen 300 Jahren entwickelt hat, wobei der heutige Straßenbelag nicht aus dem 18. Jahrhundert stammt sondern aus dem späten 19. Jahrhundert. Einige kleinere Teile sind Reste der Sanierung nach 1689 (Stadtbrand), drei Pflastersteine stammen, wie erst im Jahr 2020 festgestellt wurde, aus der Renaissance (Bild ganz unten, die Steine mit Vertiefung). 74 Prozent der Bordsteine wurden um 1700 hergestellt, wie in einer Akte im Stadtarchiv niedergeschrieben ist.

 

 

   „Der Zustand dieser Speyerer Straße ist einmalig“, sagte OB Seiler gegenüber dem Speyer-Report. Es gäbe in Deutschland keine Straßen, die eine so vielfältige Abwechslung in ihren Oberflächen aufweisen, wie die Rützhaubstraße. Allerdings seien die Autofahrer*innen und Zweiradfahrer:innen, wie auch Dreiradfahrer*innen nun verpflichtet, absolutes Schritttempo zu fahren. Beigeordnete Münch-Weinmann lässt entsprechende Schilder aufstellen. Beigeordnete Selg wird hinsichtlich der Geschwindigkeit und des Gewichts - also inklusive Personen und Beladung - der Fahrzeuge eine digitale Langzeitstudie machen.

 

 

   Die Denkmalpfleger*innen und die meisten Krankenkassen inklusive der Gesundheitskasse bieten für Radfahrer*innen eine Zahn-Zusatzversicherung an, denn es sei inzwischen bekannt, dass beim Radfahren über den historischen Belag nicht nur Teile der Fahrräder scheppern und Rad fahrende Menschen*innen durchgerüttelt werden, sondern – vor allem bei älteren Leuten – die Gebisse klappern, was schon mehrere zahnärztliche Behandlungen verursacht habe. Die Denkmalpflege übernimmt 18,5 Prozent der Kosten für die Gebissbehandlung, sagte der Vorsitzende der Zahnärztevereinigung Deutschlands in einer Live-Schalte.

 

 

   Das Stadtarchiv Speyer und das Historische Museum der Pfalz haben bereits Interesse am Erwerb beschädigter Zähne bekundet. Man wolle für die Nachwelt Zähne aufbewahren und in Ausstellungen zeigen, die durch das Befahren der Rützhaubstraße demoliert wurden. Auch das Deutsche Straßenmuseum (Germersheim) sowie die Straßenmuseen in Dresden und Norwegen (Lillehammer) möchten Gebiss-Exponate.

 

 

Neue Geschwindigkeitshinweisschilder

   Sollte die Rützhaubstraße aufgerissen werden müssen, weil der Kanal erneuert werden muss oder aus anderen Gründen, werden die Originalteile wieder so zusammengesetzt, dass die Straße ihren schlechten Charakter behält. Es ist anzunehmen, dass diese Straße in Bälde Fußgängerzone wird, dass die Stadt- und Gästeführer*innen die Touristen und Touristinnen hierher bringen, damit diese sich ein Bild von der in Deutschland einmaligen Holper- und Stolperstraße machen können.

 

 

   Heute, gegen 18 Uhr, wollte OBin Seiler die Denkmalschilder anbringen und Beig. Münch-Weinmann die neuen Geschwindigkeitshinweisschilder aufstellen – zuerst oben bei der Bahnhofstraße, dann unten bei der Wormser Straße. Aber daraus wird nichts, erst nach dem Lockdown isses nun vorgesehen.

 

 

   Die Straße erinnert mit ihrem Namen an die Bürgermeister der Stadt Speyer Johann Georg Ritzhaub (war nur 1659 Bürgermeister) und Georg Ernst Rützhaub, Bürgermeister im Jahr 1689 und mit Unterbrechung von 1691 bis 1708. - Bernhard Bumb

 

 

 

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