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Friedrich-Magnus-Schwerd-Denkmal am Dom zu Speyer © Bernhard Bumb

Friedrich Magnus Schwerd zum 150. Todestag (Teil 1)

Heute, 22. April 2021, ist der 150. Todestag des bedeutenden Spey‘rer Bürgers Friedrich Magnus Schwerd. Nach ihm ist in Speyer die Schwerdstraße und das Friedrich-Magnus-Schwerd-Gymnasium benannt. Ihm zur Ehre ließen die Stadt Speyer, Bürger und ehemalige Schüler anno 1874 das Schwerd-Denkmal errichten - ursprünglich stand es im näheren Umfeld des Springbrunnens am Dom, seit 1930 befindet sich das Denkmal an der Südseite der Kathedrale. Eine Biografie zu diesem Genie passt zwar in den Speyer-Report, aber die wäre sehr umfangreich. Daher gibt es eine Kurzfassung in zwei Teilen.

 

Friedrich Magnus Schwerd - um 1845 / in: Klotz/Rölle "Speyer - Kleine Stadtgeschichte" / Bild: Stadtarchiv Speyer.

 

   Der Gymnasialprofessor am Lyzeum, am „Altsprachlichen“ (Gymnasium am Kaiserdom) sowie Lehrer an der von ihm initiierten ersten Gewerbeschule in der Pfalz (Speyer), der Astronom und Geodät (Landvermesser), geboren am 8. März 1792 in Osthofen bei Worms, konnte wegen Kriegswirren und den Auswirkungen der Französischen Revolution erst im Alter von 15 Jahren eingeschult werden. Zuvor erhielt er Unterricht vom katholischen Pfarrer Bernhard Nägele (Eich/Rheinhessen).

   Mit 16 war Schwerd der Schulbeste, gerade 22 geworden wurde er Lehrer in Speyer. Lehrer war er bis zu seinem Tod am 22. April 1871. Er unterrichtete am Gymnasium am Kaiserdom, am Lyzeum und an der Gewerbeschule. Dazu ist eine Anekdote überliefert: Er habe sich oft in seinem Unterricht an der Gewerbeschule derart vertieft, dass der Hausmeister des Gymnasiums ihn ab und zu an den Unterricht im Gymnasium erinnern musste. Jedenfalls, so viele Jahre, wie Schwerd als Lehrer tätig war, - 57 Jahre! - das schaffen Pädagogen schon lange nicht mehr!

 

Lebenslauf/Ereignisse - Auszüge

Geboren wurde Schwerd am 8. März 1792 in Osthofen bei Worms.

Eltern: Ludwig Schwerd (Gerichtsschreiber) und Elisabeth geb. Gilardone.

Schulbesuch ab dem 15. Lebensjahr.

Studium in Mainz und Mannheim.

1814: Beginn seiner Lehrtätigkeit in Speyer. Fächer: Mathematik, Physik, Latein, Griechisch und Biologie/Naturkunde.

   Auf dem Gebiet der Astronomie nahm er Präzisionsmessungen an 1751 Fixsternen vor, bis ihm ein Arzt empfohlen hat mit Rücksicht auf sein Augenlicht diese Tätigkeit einzustellen. Seine Position am Fernrohr soll oft Migräne verursacht haben. Die NASA prüfte in den 1970er Jahren seine Aufzeichnungen und stellte fest, Schwerd hat – mit seinem einfachen Fernrohr, mit Bleistift, Tintenfeder, Lineal und Papier – korrekt gearbeitet.

   Ein von ihm entwickeltes Rechenbuch mit den typisch „üblen“ Textaufgaben erschien 1828 und war 100 Jahre lang ein Standartwerk. Dieses Buch wurde in englischer Übersetzung in New York verwendet. Schwerd war der Chef-Mathematiker der bayerischen Pfalz. Angeblich war es dem Professor beim Lösen bestimmter Aufgaben oftmals egal ob das Ergebnis 100 Prozent stimmt, wichtig sei es ihm gewesen, die Schüler finden den richtigen Weg zum Ergebnis.

   In der Erd- und Landvermessung (Geodäsie) entwickelte Schwerd mit dem Prinzip der Schwerdschen kleinen und großen Basis ein neues Messverfahren, das bis zur Ablösung durch die Vermessung durch Satelliten benutzt wurde. Punkte dieser Basen sind heute noch in Speyer und auf Speyerer Territorium existent.

  Schwerd ließ zudem die direkte Strecke vom Nordostturm des Speyerer Doms zu einem der Türme der Kirche in LU-Oggersheim messen. Sein Ergebnis weicht lediglich um 40 Zentimeter von den Ergebnissen der modernen Messmethoden ab.

   1851 demonstrierte er im Speyerer Dom die damals präzisesten Pendelmessungen zur Erdrotation. Das von ihm konstruierte und 1859 erstmals beschriebene Photometer zur Bestimmung der relativen Helligkeit von Fixsternen war das aufwendigste und beste optisch-mechanische Gerät seiner Art, das je gebaut worden ist. Ein Exemplar befindet sich in der Universität zu Bonn.

   Ausführlich widmete Schwerd sich den Untersuchungen der Lichtausbreitung an Blenden verschiedener Art und entwickelte die zugehörigen Berechnungen auf der Basis der Wellentheorie.

   Nach seinem Tod wurde Friedrich Magnus Schwerd auf dem Alten Friedhof bestattet, wo seine Grabplatte auf dem Domkapitelsfriedhof – Teil des damaligen Friedhofs – erhalten ist.

   Wohnhaus: Herdstraße Nr. 18. Im Garten existierte auch seine Sternwarte. Eine Gedenktafel befindet sich an der Straßenseite des Hauses.

   Seine berühmtesten Schüler waren der auch naturwissenschaftlich sehr interessierte spätere Priester Paul Josef Nardini (*1821, +1862), der 2006 selig gesprochen wurde, und Georg Balthasar Ritter von Neumayer (*1826, +1909), Geophysiker und Polarforscher.

   Er erwarb sich hohes Ansehen mit seinen wissenschaftlichen Arbeiten. Zahlreiche Ehrungen wurden Schwerd verliehen. Am 12. Juni 1860 verehrte König Maximilain II. von Bayern ihm das Ritterkreuz I. Klasse des Verdienstordens vom Heiligen Michael. Er war Mitglied der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, der Royal Astronomical Soc., London, der pfälzischen Pollichia, er trug das Ritterkreuz vom Zähringer Löwen usw. Angebote mehrerer Universitäten hat Schwerd abgelehnt, er wollte in „seinem“ Speyer bleiben.

   Schwerd heiratete anno 1824 Wilhelmina Adelaide (*1800/01, +1846) aus Colmar, Tochter des Johann Friedrich Butenschön, einer der bedeutendsten Kirchenmänner und Mitgründer der Evangelischen Kirche der Pfalz, nach ihm ist in Speyer die Butenschönstraße benannt.

   Auf dem Adenauerpark befindet sich ein Butenschön-Gedenkstein. Johann Friedrich Butenschön ist 1842 in Speyer gestorben und wurde in der Nähe des Gedenksteins am Teich auf dem ehemaligen Alten Friedhof beerdigt. Durch die Umwandlung des Friedhofs in den heutigen Park ist das Grab verschwunden.

 

Schwerdstraße

  Das Haus Nr. 13 in der Schwerdstraße gehörte dem Rechtsanwalt Hans Hettinger, der nach dem Zweiten Weltkrieg vom 26. Januar 1946 bis 21. September 1946 Oberbürgermeister der Stadt Speyer war. Hettinger vermietete die Wohnung im Erdgeschoss von 1948 bis April 1962 an die Familie Bumb (Alois & Anna, Ursula, Anneliese, Karlheinz, Bernhard).

 

Schwerds Lebensmotto

"Wahrheit über alles"

 

Anmerkung

   Im Jahr 2022 könnten der 230. Geburtstag und der 150. Todestag zusammen gefeiert werden. - Teil 2 folgt in der Ausgabe des Speyer-Report am 24. April 2021. - Bernhard Bumb / Quellen: Dr. Wolf Böhm - „Wahrheit über alles“, Leben und Wirken von Friedrich Magnus Schwerd, Vierteljahreshefte des Verkehrsvereins Speyer, 1992; Unterlagen im Stadtarchiv Speyer; Hinweise in Wikipedia; Klotz/Rölle: Speyer - Kleine Stadtgeschichte, 2008; Informationen: Dr. Lenelotte Möller.

Zusätzliche Informationen