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Planzeichnung Alter Friedhof von Fritz Klotz (1956). - Bild © Speyer-Report

Der alte Friedhof und seine Umgebung

Friedhofgeschichten Teil 13

von Bernhard Bumb

Wie anfangs in dieser Serie erwähnt beginnt die Geschichte des ersten öffentlichen/städtischen Friedhofs der Stadt Speyer mit einer Schenkung. Der Ratsherr Jost Thiel überließ der Stadt seinen Garten zwischen Hirschgraben, Bahnhofstraße, Weingarten der Sankt Georg Hospital-Stiftung und Beethovenstraße für das Anlegen eines Friedhofs „für Arme und Fremde“ im Jahr 1502. Dieser Garten ist der Teil auf der Planzeichnung von Fritz Klotz nach einem Stadtplan von 1776 im Stadtarchiv Speyer in dem das Wort Gottesacker geschrieben steht.

  „Roter Turm“ war einer der 68 Türme auf/zwischen den Stadtmauern. Leider gibt es nur noch das Altpörtel – höchster Turm der Stadtmauern –, den Wartturm (Wormser Warte) mit Fasnachtsmuseum, das Heidentürmchen, die Türme „Bock“, „Taube“ und „Drachen“ und geringe Reste von Türmen. Alle anderen Türme wurden zerstört, ihre Ruinen, oder weil sie militärisch irgendwann keinen Sinn mehr machten, abgebrochen.

  Westlich des ehemaligen Friedhofs (auf dem Bild oberer Rand) zog sich ein Stadtgraben entlang, beginnend am Postplatz in Richtung „Rauschendes Wasser“. Nach der Zuschüttung des Grabens – der Postgraben ist ein Überbleibsel – entstand im 19. Jahrhundert auf diesem die Reihe der Häuser mit der herausragenden Villa Ecarius.

  Der Hirschgraben diente nicht nur dem Schutz der Stadt, er war auch – und daher sein Name – ein Tiergehege. Die Jagd war ausschließlich Sache der Herrschaft, der Obrigkeit, also auf städtischem Territorium Angelegenheit des Rates der Freien Reichsstadt Speyer. Irgendwann fand es die Obrigkeit – nicht nur in Speyer – besser, Wild zum Verzehr in Stadtgräben zu halten als in den Wäldern auf die Pirsch zu gehen, was gefährlich war (erhöhte Unfallgefahr). In einem Gehege war‘s einfach, das Wild zu schießen. In anderen Städten verweist der Name Tiergarten ebenfalls auf eine frühere Wildhaltung hin. Der Stadtgraben parallel zur Bahnhofstraße und der Hirschgraben wurden im 19. Jahrhundert zugeschüttet.

  Es dauerte nur wenige Jahre, dann wurden auf dem Friedhof nicht nur Arme und Fremde, die wohl alle ohne Sarg begraben wurden, was meistens üblich war, bestattet sondern schon im Laufe des frühen 16. Jahrhunderts immer mehr betuchte Einwohner. Die Gottesackerkapelle „Unsere Liebe Frau“ (Gottesmutter Maria), errichtet 1515/1516, ist eine Stiftung „frommer Bürger“. Die drei Symbole an der Ostmauer des Gottesackers weisen auf Gruften bedeutender Speyerer Familien hin, v. l.: Kimmich/Kümmich, Lichtenberger, Weltz. Eingezeichnet ist das Friedhofskreuz - wohl seit dem Kriegsjahr 1689 oder 1794 (Französische Revolution) Ruine - auf dessen Sockel sich die Jahreszahl 1520 befindet.

  Schließlich wurde der Friedhof unter Einbeziehung des Weingartens der Sankt Georg Hospital-Stiftung nach Osten bis zur ursprünglichen Trasse der Wormser Landstraße erweitert. Von der Ostmauer bis zur Wormser Landstraße fiel das Gelände ab wie beim Weidenberg und wurde in der neueren Zeit aufgeschüttet – daher die Mauer entlang der Wormser Landstraße.

  Auf seiner Planzeichnung hat Fritz Klotz, Autor eines sehr informativen Berichts in der Tageszeitung Die Rheinpfalz (1956), den kleinen Friedhof der Reformierten eingezeichnet. Dieser Friedhof wurde beim Bau der heutigen Trasse der Wormser Landstraße aufgelassen.

  Die nördlich des alten Friedhofs erwähnten Äcker der Elendherberge sind schon lange überbaut. Der Allmend-Gang, Zugang zum Juden-Gottesacker, ist nicht mehr vorhanden. Ob der Juden-Gottesacker ein Teil des ehemaligen Gartens des Ratsherrn Thiel war müsste noch geklärt werden. Es sieht auf der Planzeichnung eher so aus, als dass der Juden-Gottesacker außerhalb an der Nordmauer des Friedhofs existierte und eine eigene Nordmauer hatte. Falls dies zutrifft, dann liegt über dem jüdischen Begräbnisplatz die Beethovenstraße. Auf dem Areal der einstigen Wirtschaft „Lamm“ (unterer Bildrand) befand sich das Capitol-Kino, vielen Spey‘rern ein Begriff! - Fortsetzung folgt

 

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