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Friedhofstor als Eingang zur KiTa WOLA. - Bilder © Bernhard Bumb

Kinder finden sterbliche Überreste

Friedhofgeschichten Teil 18

von Bernhard Bumb

  ...da haben Kinder beim Spielen ab und zu Knochen gefunden, die haben im Boden geschaufelt und gegraben weil sie Sandburgen gebaut und mit Förmchen Sandkuchen ‚gebacken‘ haben – das kam mir vor zig Jahren zu Gehör, als über die frühere Nutzung des Geländes der KiTa WOLA erzählt wurde. Die KiTa WOLA befindet sich nämlich auf einem ehemaligen katholischen Friedhof, 1783 vom Domkapitel auf einem Garten der Elendherberge für Katholiken eingerichtet.

  Man muss sich das bildhaft vorstellen: Kinder spielen auf diesem Gelände, buddeln mit Schippchen im Boden herum und plötzlich lacht ihnen ein Gebiss entgegen. Das ist doch viel lustiger als eine Geisterbahn auf den Rummelplätzen. Wie konnte das sein, dass Überreste von Verblichenen so dicht unter der Erdoberfläche lagen?

 

 

  Nun, der Friedhof wurde 1841 geschlossen, als der alte Friedhof – Adenauerpark/Domkapitelfriedhof – nochmal nach Osten erweitert und ein katholisches Gräberfeld angelegt wurde. Vom ehemaligen Friedhof ist ein Gebäude bis heute erhalten: das Friedhofstor aus dem 18. Jahrhundert – Eingang zur KiTa WOLA.

  Der Friedhof wurde umgezackert, Gräber wurden geschreddert, das Areal zum Bauland erklärt. Auf diesem Friedhof lagen Gräber, in denen Domherren bestattet wurden, mitten unter ihnen auch der erste Bischof des heutigen, 1817 neugegründeten Bistums Speyer, Matthäus von Chandelle, der wegen des Verhältnisses zwischen ihm und dem Domkapitel nicht im Dom bestattet werden wollte. Durch die Baumaßnahmen und Erdbewegungen gelangten sterbliche Überreste ans Tageslicht, manche blieben nahe unter der Erdoberfläche liegen.

  Verantwortliche des Bistums, der Stadtverwaltung und der Firmen, die den Friedhof geräumt und umgepflügt haben, beachteten also nicht das Grab des Bischofs. Sein Grabstein aber wurde gerettet, er steht auf dem Domkapitelfriedhof nur wenige Meter nach dem Eingang am Turm der Kirche St. Bernhard, vor ihm die Gräber der neuzeitlichen Domherren.

Diese Serie gibt es seit 1. November

in jeder Ausgabe des Speyer-Report.

Täglich bis 22. November.

  Geht man den Weg weiter bis zur Biegung, dann fällt in der Kurve ein Grabstein auf mit den Namen von Domherren des 18. und 19. Jahrhunderts und auf dem katholischen Friedhof begraben wurden. Unter diesem Stein liegen deren sterbliche Überreste, die nach der Schließung des Friedhofs hierher umgebettet wurden. Ob auch sterbliche Überreste des Bischofs dabei sind ist wohl schwerlich nachzuprüfen. - Fortsetzung folgt.

 

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