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AUSSTELLUNG: Weitsichten - Bilder auf Papier von Johannes Doerr

Werke im Feuerbachhaus, Speyer

Speyer. - Bis 28. Februar 2018 zeigt der Verein Feuerbachhaus Bilder des Speyerer Künstlers, Stadtrates und gelernten Schriftsetzers Johannes Doerr in seinem Domizil mit Pfälzer Weinstube in der Allerheiligenstraße, im Haus Nr. 9. Die Ausstellung "Weitsichten" ist von Di bis Fr ab 16 Uhr geöffnet, samstags von 11 bis 14 Uhr und ab 17 Uhr. Sonntags können die Bilder von 11 bis 14 Uhr und nach Vereinbarung bewundert werden.

Kuratorin Mira Hofmann:

Seit 1980 malt Johannes Doerr, seit den 90er Jahren stellt er seine Arbeiten aus und führt damit quasi auch eine Familientradition fort, denn schon sein Vater malte. Die meisten Bilder sind aktuelle Arbeiten mit Speyerer und Pfälzer Motiven: Dom, Gedächtniskirche, Marktstände, Kirchtürme, Blick in die Gilgenstraße, das alte Bürgerhospital, Altstadtdächer, Worms, auch ein Blick auf Weißenburg ist dabei, aber auch sehr schöne Magnolien, Blumenbilder oder Landschaften in der Umgebung, beispielsweise das Hochufer bei Römerberg. Seine Arbeiten wirken so farbenfroh, so frisch und lebendig, wie man auch die Wirklichkeit an einem Sonnentag und gut gelaunt betrachten kann, wenn man achtsam ist und eine Weitsicht hat.

Was mich fasziniert, ist die Kombination aus dem typischen Aquarell-Lavieren und den scharf gezogenen Kanten, betont Hofmann. Selten nutzt Doerr die Nass-in-Nass-Technik, bei der eine wässrige Farblösung auf zuvor angefeuchtetes Papier aufgebracht wird - dann verlaufen die Farben so schön, wie wir es von Aquarellen gewohnt sind -, das beherrscht er zwar auch, eine Besonderheit sind jedoch die scharfen Kanten, hier besonders deutlich an der Gedächtniskirche.

Diese Technik der scharfen Kanten lernte er bei einer Künstlerin und Dozentin in Stuttgart. Er benutzt konzentrierte Aquarellfarben aus der Tube, die untereinander gemischt oder mit Wasser verdünnt werden, und setzt die Farbe mit einer kleinen Spachtel auf und schiebt das Farbwasser vor sich her, statt mit weichen Pinseln aus Marderhaaren die fürs Aquarellieren typisch sind. Und in der Rinne sammelt sich das „Dreckwasser“, erklärte er mir. Und dieses „Dreckwasser“ macht den schönen Kontrast zu den ziegelroten Dächern, den ockerfarbenen Hausfassaden und den grünen Baumkronen aus.

Das Gespür für Farben und Fläche hat Doerr von seinem Beruf als gelernter Schriftsetzer, die Perspektive von seinem verstorbenen Freund Gerd Roos, der Bauzeichner war, die kräftigen Farben von Karl Hufnagel inspirierten ihn, die Harmonie lernt und nimmt er aus seiner großen Familie, hebt die Kuratorin hervor.

Diese Mischung ist es, die seinen persönlichen Stil ausmacht. Deutlich wird auch ein altes Gestaltungsmotto: leere Fläche ist auch gestaltete Fläche, und oft sind es die „weißen Flecken“ in den Arbeiten, die das Leuchten, die Transparenz und die Harmonie hervorbringen. Der Titel der Ausstellung „Weitsichten“ öffnet uns die Augen und den Geist für eine bunte, harmonische Welt, mit neugierigem Blick auf das Leben, die Menschen und die Umgebung, sagt Hofmann. (Anm. d. Redaktion: Rede gekürzt)

Noch ein Tipp: In Vorbereitungen ist eine größere Gemeinschaftsausstellung mit Werken von Doerr und Roos im nächsten Jahr. -red/Bilder: Bernhard Bumb

 

 

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