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Hier stehe ich!“ – Planungen zur Sonderausstellung zum 500. Jubiläum des Wormser Reichstages gehen weiter

Wissenschaftlicher Beirat beriet sich zum zweiten Mal in Worms / Nächstes Treffen im Frühjahr 2018

Worms. - Zur geplanten Sonderausstellung rund um das 500-jährige Jubiläum des Wormser Reichstages von 1521 traf sich der eigens gegründete wissenschaftliche Beirat in der vergangenen Woche zum zweiten Mal in der Nibelungenstadt. Dort einigte man sich über das weitere Vorgehen in Vorbereitung der Sonderausstellung im Jahr 2021. Daneben fand der Beirat um Professor Dr. Thomas Kaufmann einen ersten Arbeitstitel: „Hier stehe ich!“. Gewissen und Freiheit – Worms 1521/2021. Mit einem der berühmtesten Sätze Luthers – auch wenn er so wohl nie gesagt wurde – identifizieren sich nach wie vor viele Menschen und auch heute noch steht er symbolisch für die Gewissensfreiheit. Außerdem erörterte der Beirat in den Räumen des Museums der Stadt Worms im Andreasstift, wie ein möglicher Aufbau der Ausstellung aussehen könne. Im Mittelpunkt der Sonderausstellung sollen Martin Luthers Berufung auf sein Gewissen vor Kaiser Karl V. und die entstandene Mythenbildung um das damalige Ereignis stehen. Weitere Schwerpunkte sollen die Themen „Gewissen“, „Freiheit“ und „Humanismus“ sein.

Beirat einigt sich auf Themenschwerpunkte

Während sich das Lutherjahr 2017 dem Ende neigt, ist das Interesse am Reformator nach wie vor groß. „In der Vergangenheit waren es jährlich etwa 80 Stadtführungen rund um Luther und die Reformation. 2017 sind es bisher über 500“, bemerkte Oberbürgermeister Michael Kissel. Um also auch für das nächste Reformationsjubiläum gewappnet zu sein, traf sich der wissenschaftliche Beirat ein zweites Mal in Worms, um die Planungen zur Sonderausstellung 2021 weiter voranzutreiben. Dann jährt sich der Wormser Reichstag von 1521, der auch der Mittelpunkt der geplanten Ausstellung im Museum der Stadt Worms sein wird. Die Mythenbildung rund um das Aufeinandertreffen zwischen Martin Luther und Kaiser Karl V. begann schon während der Reformationszeit. Aus Sicht der versammelten Wissenschaftler, muss die künstlerische und schriftliche Auseinandersetzung mit dem Ereignis dabei stets kritisch hinterfragt werden. „Die mediale Aufladung der Ereignisse 1521 und deren Auswirkungen sollen in dieser Ausstellung gezeigt werden“, erklärt Professor Dr. Thomas Kaufmann, der Sprecher des Beirats. „Die Ereignisse von damals haben noch immer eine globale Bedeutung. Diese Verbindungen vom 16. Jahrhundert bis in die heutige Zeit möchten wir anhand der festgelegten Themen ‚Humanismus‘, ‚Gewissen‘ und ‚Freiheit‘ veranschaulichen“, so Bürgermeister Hans-Joachim Kosubek. In dem Beispiel „Kriegsdienstverweigerung unter Berufung auf das Gewissen“ sieht Professor Dr. Kaufmann einen Fall, „der in der deutschen Nachkriegsgeschichte für viele Diskussionen sorgte“ und Teil der geplanten Ausstellung sein könnte.

Hier stehe ich!“

Mit „Hier stehe ich!“ fand der Beirat bereits einen ersten Arbeitstitel. Der wissenschaftliche Leiter des städtischen Museums, Dr. Olaf Mückain, betont dennoch, dass es keine Luther-Ausstellung wird: „Es geht vor allem darum, welchen Einfluss die Ereignisse in Worms und deren Folgen auf die Gewissensfreiheit oder mögliche Grenzen der Freiheit hatten.“ Auf dem Weg zum Jubiläumsjahr 2021 kann sich Oberbürgermeister Kissel auch ein öffentliches Symposium gut vorstellen. So könne man die wissenschaftliche Expertise des Beirates und die geplanten Inhalte der Sonderausstellung einem breiterem Publikum präsentieren – beispielsweise in der rheinland-pfälzischen Landesvertretung in Berlin.

Der Mittelpunkt der Ausstellung, der Reichstag 1521, könnte in der Kirche im Andreasstift dargestellt sein. Wie die weiteren Räumlichkeiten genutzt werden könnten, war Thema bei einem gemeinsamen Rundgang mit dem Architekten Jürgen Hamm. Er informierte die Wissenschaftler auch über den Fortschritt der laufenden Sanierungsarbeiten im Andreasstift, etwa im historischen Kreuzgang.

Finanzierung der Ausstellung

Mit rund 1,5 Millionen Euro ist die Finanzierung der Ausstellung bis 2021 bereits in den städtischen Haushalt eingeplant“, so Kissel. Der Oberbürgermeister betonte gleichzeitig, dass man anstrebe, auch Unterstützungen auf Landes- oder gar Bundesebene zu erhalten. Zudem ist eine Kooperation mit der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau (EKHN) laut Volker Gallé, Kulturkoordinator der Stadt Worms, angedacht – auch unter finanziellen Aspekten.

Die weiteren Schritte des Beirats

Die nächste Sitzung des wissenschaftlichen Beirats erfolgt im Frühjahr 2018. Bis dahin forschen die Mitglieder weiter zu den ihnen zugewiesenen Themenschwerpunkten und erarbeiten erste Konzepte und Objektwünsche. Eine vorläufige Objektliste mit den Anfragen aller Mitglieder soll bis zum nächsten Treffen vorliegen. Dazu nennt Professor Dr. Kaufmann bereits einen ersten Wunsch: „Ich würde gerne sämtliche schriftlichen Dokumente präsentieren, die Luther im April 1521 in Worms verfasst hat.“ -Text/Bild: KUV Worms-

 



 



 

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