Aktuell

Junghengst Said. - Bilder © Detlef Oertel

Zoo Landau: „80 Prozent ist Scheiße schieben“

Blick hinter die Kulissen / „Hackfleisch machen ist wie Tiere streicheln – nur später“

Landau in der Pfalz. - „80 Prozent ist Scheiße schieben“, sagte Zooinspektor Gregor Müller während einer Führung am gestrigen Sonntag hinsichtlich der Arbeit der Tierpflegerinnen und Tierpfleger. Zu den Zuhörern gehörten auch jüngere Leute, die diesen Satz hoffentlich deutlich gehört haben und gerne Tierpfleger/in werden wollen. Auf einem sehr informativen Rundgang ging‘s unter anderem dorthin, wo Besucher keinen Zutritt haben, wie in den Bereich, in dem die „Scheiße“ gelagert wird, also ins „Gehege“ der Misthaufen.

 

 

  Bevor Gregor Müller Tagesabläufe und Berufsaussichten erklärte, marschierten die Teilnehmer erst mal einen Buckel hoch um von oben herab ins Reich der Tiger zu schauen. Der sterilisierte Tigermann lief gemächlich durch sein Revier, seine Schwester döste vor sich hin. Am Haus, in dem die beiden Sibirischen Tiger nächtens ruhen, klärte Müller über die Sicherheitsvorschriften auf. Die Besucher waren nun dort, wo die höchste Sicherheitsstufe gilt, wo es doppelte Sicherheitsschlösser gibt. Sicherheitsstufe 3: „Sehr gefährliche Tiere“. Pfleger dürfen nur ins Gehege, wenn die Geschwister in ihrem Haus eingeschlossen sind.

 

Kamele fressen gerne auch Karotten.

 

  Die Sicherheitsstufe 2 - „Gefährliche Tiere“ - bedeutet, Pfleger dürfen zu den Tieren, jedoch nur „bewaffnet“ mit Utensilien wie Schippe, Schaufel, Besen und Schubkarren um damit die Tiere von sich fernzuhalten, vor allem, wenn diese „neugierig werden“, so Müller. Die Sicherheitsstufe 1 betrifft beispielsweise die Areale der Ziegen, Meerschweinchen und Hasen - „Nicht gefährliche Tiere“.

 

Hinter diesem Tor lauert Gefahr. Gregor Müller erklärt die Sicherheitsstufen am Gehege der Tiger.

 

  Der Weg zum Nachtquartier der Raubkatzen führte zunächst zur Kamelwiese. Weil diese Wiese ein Teil der ehemaligen Festung Landau ist, steht sie wie die Reste der militärhistorischen Mauern unter Denkmalschutz. Wer sich traute – und es trauten sich fast alle Teilnehmer – griff in den Eimer mit Karotten und ließ sich die Gellerriewe aus der Hand fressen. Karotten sind für die Kamele Leckerli, merkte Müller an. Der junge Hengst Said steht noch unter der Fuchtel der Kameldamen Jacqueline und Jumano (Mutter - Tochter). Said kam vor wenigen Wochen vom Zoo Pairi Daiza (Belgien) nach Landau und soll später in der Zucht eingesetzt werden.

 

Blick in die Futterküche.

 

  Der Futterhof mit Futterküche sei „ein ganz kleiner Laden“ im Vergleich mit den Räumlichkeiten in Zoos wie Frankfurt und Wilhelma. Es werden ausschließlich fachgerecht geschlachtete Tiere zum Verfüttern verwendet, hieß es. Eine Stimme aus der Küche: „Hackfleisch machen ist wie Tiere streicheln – nur später!“ „Man darf keine Angst vor schwerer Arbeit haben“ hob Müller bezüglich des Berufs Tierpfleger/in hervor - "Tierpfleger sind Handwerker".

 

Neue Wohnbereiche für Mähnenschweine und Prinz-Albert-Hirsche...

 

  Er, Müller, sei da, damit der ganze Laden läuft, „Dr. Jens-Ove Heckel ist der Direktor des Zoos“. Angesprochen auf den Betrieb sagte der Zooinspektor, dass der Zoo Landau eine städtische Einrichtung, eine freiwillige Leistung ist. Der städtische Haushalt weist ein jährliches Budget in Höhe von 1 Million Euro für den Zoo auf, „zwei Drittel erwirtschaftet der Zoo, ein Drittel ist ein Zuschuss der Stadt“. Der Zoo habe Rückhalt in der Bevölkerung, so Müller. Ein wichtiger Wirtschaftsfaktor der Stadt Landau sei der Tourismus: „Zoo, Reptilium und Wein!“

 

...mit Außenanlage.

 

  Der Landauer Zoo ist ein kleiner Tiergarten, dennoch wird hier viel Mist gemacht, wovon sich die Besuchergruppe überzeugen konnte. Streng getrennt werden muss nach Huftiermist und Mist der anderen Tierarten. Den Mist der Huftiere holen alle sechs Wochen Winzer ab, den sie als Dünger für ihre Reben ausbringen, der andere Mist wird als Restmüll abtransportiert.

  Neu ist die „Philippinen-Anlage“, Holzbauten mit großen Freigehegen. In wenigen Tagen ziehen hier Mähnenschweine und Prinz-Alfred-Hirsche ein. Die Mähnenschweine kommen aus dem Visayas-Archipel; sie sind in ihrer philippinischen Heimat vom Aussterben bedroht und stehen auf der roten Liste. Die Hirsche, die demnächst hier ihr Zuhause haben, sind nach Prinz Alfred, dem Sohn der britischen Königin Victoria, benannt und zählen zu den seltensten Hirscharten der Welt.

  Die Teilnehmer nutzten die Gelegenheit zur Wohnungsbesichtigung. In Bälde geht das nicht mehr, wenn sich die Hirsche und Schweine hier breit machen. Wenn es sein muss, können in dieser Anlage die Tiere separiert werden, damit sie sich nicht ins Gehege kommen.

  Ein ganz wichtiger Hinweis von Inspektor Müller: Egal ob Tiger oder Meerschweinchen, in einem Zoo geht es unter anderem darum, die Verhaltensweisen der Tiere, die sie in freier Wildbahn ausleben könnten, möglichst zu fördern – ebenfalls eine Aufgabe der Pfleger. - Bernhard Bumb

Zusätzliche Informationen