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Bild: Copy Shop Dörr, Speyer © herausgebender Verlag

Das Seelbuch der Stuhlbrüder des Speyerer Domstifts

Vom Domplatz führt eine Straße hinab in die ehemalige „Vorstadt überm Hasenpfuhl“. Die Speyerer sagen „de Buggl nunner“ – „den Buckel hinab“. Oben, also am Domplatz, beginnt die Straße zwischen dem Gasthaus zum Domnapf und dem Edith-Stein-Platz, dem einstigen Freithof. Und diese Straße heißt Stuhlbrudergasse. Der Name erinnert an die Laiengemeinschaft der Speyerer Stuhlbrüder, deren besondere Aufgabe es neben niederen liturgischen Diensten (beispielsweise Messdiener, Sakristan) war, für die im Dom bestatteten Kaiser, Kaiserinnen und Könige zu beten. Zu diesem Zweck existierte in der Kathedrale ein für die Brüder geschaffenes Gestühl, auf dem sie zum Gebet gesessen haben. Daher: Stuhlbrüder. Erstmals urkundlich genannt werden sie anno 1212, aufgelöst wurde die Gemeinschaft im Zusammenhang mit der Säkularisation 1803.

Immer noch präsent

  Nun ist im Jahr 2015 das „Seelbuch der Stuhlbrüder des Speyerer Domstifts“ des Historikers Dr. Sven Gütermann im Verlag der Gesellschaft für mittelrheinische Kirchengeschichte erschienen und auf dem Büchermarkt immer noch präsent.

  Dieses Buch ist für alle an Speyerer Geschichte und Bistumsgeschichte interessierten Leuten eine wichtige Quelle. Als Seelbuch ist das Werk, das von Gütermann als Transkription (lesbar gemacht) vorliegt, in der Art eines Kalendariums angelegtes Verzeichnis – wie andere Seelbücher auch. Das heißt, das Buch verweist darauf, an welchem Tag im Jahreskreis für welche verstorbenen Personen (Kaiser, Könige, Kaiserinnen, Königinnen, Stifter, Wohltäter, Fürsten, Päpste, Bischöfe, Ordens-, Gemeindemitglieder) gebetet wurde, welche Seelen vor allem Gott anempfohlen wurden.

Mit Festkalender

  Nach der Ordnung eines Seelbuches (Negrologeium, Obituarium – Totenbuch) hielt man zum Gedächtnis der verzeichneten Personen Gedenktage, Seelenmessen und vom oder für einen Verstorbenen festgelegte Feiern. Genannt werden unter anderem die Seelgeräte, die Zinsen zu bestimmten Terminen, Kornzins, Weinzins, Almosen, Pfennige für die Stuhlbrüder. Gütermann erklärt den Aufbau des Seelbuchs, er hat einen Katalog der Schreiberhände eingefügt, das Buch enthält den Festkalender der Stuhlbrüder.

Altes Deutsch

  Das Schöne an diesem Buch, man lernt nicht nur längst verblichene Personen kennen, sondern auch die alte deutsche Sprache und Formulierungen, es ist spannend, sich hineinzulesen. Beispiele: Hans Schencke...ein stolbruder lytt under dem paradyß abgangen uff sant Margreten… - Der Stuhlbruder Hans Schencke starb am Tag St. Margareta und liegt im Paradies (Eingangshalle des Doms) gebraben. Sant Urban...herr Hans von Stettenbergs...lit im crutzgang: St. Uban, 25. Mai, Hans von Stettenberg ist im Kreuzgang begraben. Begriffe/Wörter werden von Gütermann erklärt: wie doffelbronn, lytt, swecher, iarezyt, hartmann, Roppfen, Ioppen, monster, mulwelffen, quittantz, Schlachtmant, ertzpriester, ebeg roue und so weiter. - Redaktion

  Tipp: Sven Gütermann: Das Seelbuch der Stuhlbrüder des Speyerer Domstifts – Verlag der Gesellschaft für mittelrheinische Kirchengeschichte – Mainz 2015 – ISSN 0480-7480 – ISBN 978-3-929135-72-5 – 10,00 € - erhältlich in der Buchhandlung Oelbermann, Speyer

 

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