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Wasservögel nicht füttern! / Gutgemeinte Fütterung von Wasservögeln ist schädlich

Für viele Familien ist es eine liebgewonnene Tradition beim gemeinsamen Familienspaziergang am Wochenende öffentliche Gewässer aufzusuchen, um dort Enten, Schwäne und andere Wasservögel zu füttern – oft mit übriggebliebenem Brot. Doch wie sinnvoll ist das und brauchen die Tiere die menschliche Unterstützung bei der Nahrungssuche, insbesondere im Winter?

   Oliver Weirich, Diplom-Biologe und Beauftragter der Staatlichen Vogelschutzwarte für die kreisfreie Stadt Wiesbaden sowie Arbeitskreisleiter der Hessischen Gesellschaft für Ornithologie und Naturschutz in Wiesbaden, hat eine Studie über die Auswirkungen der Fütterung von Wasservögeln verfasst, deren Ergebnisse kürzlich in der Fachzeitschrift „Vogelwarte“ veröffentlicht wurden. Er kommt zu dem Ergebnis, dass die gutgemeinte Fütterung in der Regel unnötig ist und für Tiere und Umwelt zahlreiche negative Folgen haben kann.

   So führt eine überwiegende Fütterung mit ungeeigneten Lebensmitteln wie Brot oder Nudeln bei den Vögeln langfristig zu ernstzunehmenden Mangelerscheinungen, da die Nahrung im Magen der Tiere zwar aufquillt und eine Völlegefühl erzeugt, aber nicht entsprechend verwertet werden kann. In der Brutzeit treten in der Folge vermehrt dünnschalige Eier und sogar Legenot bei den Weibchen auf.

   Auch der hohe Salz- und Zuckergehalt ist gesundheitlich bedenklich. Ein übermäßiger Verzehr von Roggenbrot oder -körnern kann, wegen des hohen Gehalts an löslichen Nicht-Stärke-Polysacchariden, eine Darmentzündungen auslösen, während verdorbene oder mit Schimmel belastete Nahrungsmittel sogar unmittelbar zum Tod der Tiere führen können.

   Wird das Futter direkt ins Wasser geworfen und sinkt dort zu Boden, zersetzt es sich und gibt Nährstoffe frei, die ihrerseits das Algenwachstum begünstigen. In der Folge kann das Gewässer kippen, sodass nicht mehr genug Sauerstoff zum Überleben von Pflanzen und Tieren zur Verfügung steht.

   Ein weiteres Problem entsteht dadurch, dass eine ungewöhnlich hohe Anzahl an Tieren immer wieder die gleichen Futterstellen aufsucht, sodass die Uferbereiche häufig stark durch Kot und übrig gebliebenes Futter verschmutzt sind. Der ständige und enge Kontakt zwischen den Vögeln begünstigt die Ausbreitung von Krankheiten und Seuchen, während die Essensreste Ratten anlocken, welche für Gelege und Jungvögel zur Gefahr werden und die Population der Wasservögel weiter dezimieren.

   Enten, Schwäne und andere Artgenossen, die an die Fütterung durch Menschen gewöhnt sind, werden außerdem zutraulich und geraten nicht selten in gefährliche Situationen, weil sie ihre natürliche Scheu vor Gefahrenquellen wie Hunden oder Fahrzeugen verlieren.

   Die Abteilung Umwelt und Forsten der Stadtverwaltung Speyer appelliert daher an alle Bürgerinnen und Bürger, das Füttern von Wasservögeln im Sinne der Tiere zu unterlassen. Heimische Wasservögel sind den hiesigen Klimabedingungen gut angepasst und finden auch ohne menschliche Unterstützung sowohl im Sommer als auch im Winter ausreichend Nahrung – das ist erst dann nicht mehr gewährleistet, wenn sie sich an die regelmäßige Fütterung durch Menschen gewöhnen. Am besten ist es daher, die Tiere gar nicht zu füttern, sondern nur zu beobachten.

   Auch das kann für Kinder eine intensive Erfahrung mit der Natur sein, indem sie das Verhalten der Tiere in ihrem natürlichen Lebensraum beobachten und selbst entdecken können, wie sich Stockenten-Männchen von Weibchen unterscheiden, welche Vögel tauchen und fliegen können und welche nicht. - Lisa-Marie Eschenbach

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