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Baumkelter von 1727. Das Bild zeigt die Hälfte der Maschine © Bernhard Bumb

Speyer hat den ältesten Wein der Welt

Internationaler Museumstag

Optisch isses bä! Was die Größe betrifft: normale Weinflasche. Aber: Das gibt es nur in Speyer – der weltweit älteste Wein, gefunden bei Ausgrabungen auf dem Gelände eines Brauereibesitzers. Diese römerzeitliche Weinflasche ist eines der herausragenden Objekte, die Dr. Ludger Tekampe am vergangenen Sonntag – Internationale Museumstag – einer Besuchergruppe näher erklärte. Der Inhalt gibt sich unappetitlich.

 

Ludger Tekampe erklärt die Schandgeige.

 

   Es ist schon hochinteressant, was sich in den weinseligen Mauern des Historischen Museums der Pfalz befindet. Zum Einstieg in die Materie muss man hinabsteigen, wenn man sich über die alten Techniken einer Weinkellerei informieren will.

   2000 Jahre Weinkultur in der Pfalz werden hier gezeigt – von der Knochenarbeit bis zu modernen Verfahren des 19. Jahrhunderts. Die Sondersammlung – das Weinmuseum – befindet sich im Historischen Museum der Pfalz, das 1910 eröffnet wurde. Tekampe: „...das weltweit erste öffentlich zugängliche Weinmuseum der Welt … war eine touristische Maßnahme“.

   Gleich am Eingang der Sammlung ein Monster: eine riesengroße Baumkelter von 1727 aus Lothringen, nach deren Prinzip schon in der Antike gearbeitet wurde. Noch eine sehr große Kelter stammt aus dem Jahr 1702, Eigentümer war ein Georg Christoph Seibell. Ein Exponat existiert seit 1593. Weiter geht‘s zu einer Traubenmühle und zu einer Schandgeige.

   Wurde ein Trauben-, ein Felddieb erwischt, bekam er das geigenförmige Brett um den Hals gelegt. Zudem wurden seine Hände in diesem Instrument eingeklemmt. Das Glöckchen an der Schandgeige begann zu bimmeln, wenn der Missetäter zwecks seiner Schaustellung durch den Ort geführt wurde. Tekampe erwähnte, dass man diesen Mensch foppte und durchaus mit Dreck beworfen hat.

   Eines der Glanzstücke: ein Prunkfass, das auf dem zugefrorenen Rhein gezimmert und dem Kurfürsten von der Pfalz, Carl Theodor, und seiner Frau Fürstin Elisabeth Auguste gewidmet wurde. Bewundern konnten die Teilnehmer an der Führung auch „Kuriositäten und Kostbarkeiten“ im Wappensaal des Weinmuseums und am Schluss ein Bild, auf dem das Feiern nach getaner Arbeit – Ende der Weinlese – dargestellt ist.

   Tekampe wies darauf hin, dass in früheren Warmzeiten Wein auch in nördlicheren Gefilden Deutschlands angebaut wurde, was bei der momentanen Entwicklung des Klimas durchaus wieder möglich wäre. Den gegenwärtigen Weinanbau in Hamburg nannte der Wissenschaftler „Jux und Dollerei“ - bb

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