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Bündnis "Kommunen für biologische Vielfalt" zeichnet die naturnahe Festungsstadt mit Silbermedaille aus

Germersheim. - Am 15. September 2021 nahmen Germersheims Stadtchef Marcus Schaile und sein Stellvertreter Dr. Sascha Hofmann im feierlichen Rahmen des Plenarsaales des Düsseldorfer Rathauses zusammen mit rund 80 angemeldeten Teilnehmern an der offiziellen Übergabe der „StadtGrün naturnah“-Labels an die jüngst zertifizierten Städte und Gemeinden teil. Für die konsequente Umsetzung ihrer Grünflächenstrategie wurde die Festungsstadt am Rhein mit der Silbermedaille ausgezeichnet.

   Blühwiesen für Wildbienen statt kurz geschorener Vielschnittrasen. Stadtbäume, die so gepflegt werden, dass sie altern können, statt gefällt und ersetzt zu werden. Vorschriften für eine lebendige Vorgartengestaltung ohne Schottersteine. Dies sind nur einige von vielen Maßnahmen, mit denen Städte und Gemeinden Punkte für das Label „StadtGrün naturnah“ sammeln können.

   Die begehrte Auszeichnung wird seit vier Jahren vom Bündnis „Kommunen für biologische Vielfalt“ und der Deutschen Umwelthilfe im Rahmen des Projektes „Stadtgrün – Artenreich und Vielfältig“ vergeben. Das Projekt „Stadtgrün – Artenreich und Vielfältig“ wird im Bundesprogramm Biologische Vielfalt durch das Bundesamt für Naturschutz mit Mitteln des Bundesumweltministeriums gefördert.

 

Naturnahes Stadtgrün

   Am 15. September 2021 wurden die 15 neu gelabelten Kommunen bekannt gegeben. Unter ihnen ist auch die Stadt Germersheim, die mit Stadtratsbeschluss vom 13.07.2021 dem Bündnis „Kommunen für biologische Vielfalt“ beitrat und es im Zertifizierungswettbewerb aus dem Stand zur Silbermedaille brachte. Germersheim spielt damit in einer Liga mit Städten wie der Kurstadt Bad Dürrheim, dem höchstgelegenen Solebad Europas, und Bielefeld, der mit knapp 334.000 Einwohnern achtgrößten Stadt Nordrhein-Westfalens. Die Zahl der zertifizierten Städte und Gemeinden steigt damit auf insgesamt 49 – mit zusammen rund 6,5 Mio. Einwohnenden.

   „Diese 15 Kommunen haben eines gemeinsam: Sie sind ganz vorne mit dabei, wenn es um naturnahes Stadtgrün geht,“ sagt Janos Wieland von der Deutschen Umwelthilfe. „Dass dies kein Selbstzweck ist, hat sich gerade in Zeiten von Corona wieder gezeigt: Während der Pandemie waren wohnortnahe Parks und Grünflächen für viele Menschen die einzige Möglichkeit, sich draußen aufzuhalten.

   Und naturnahes städtisches Grün kann noch mehr: Es ist ein wichtiger Baustein für die Anpassung an den Klimawandel und beherbergt zudem zahlreiche Tiere und Pflanzen.“ „Viele Städte und Gemeinden erkennen gerade, dass sie naturnahes Stadtgrün brauchen, um zukunftsfähig zu werden,“ sagte auch Waltraud Barr, stellvertretende Vorsitzende des Bündnisses „Kommunen für biologische Vielfalt“. „Der Prozess, der während des Labelverfahrens durchlaufen wird, trägt dazu bei, Flächen zu identifizieren und aktive Personen in den Kommunen zusammenzubringen. Die Kommunen berichten uns immer wieder begeistert davon, wie positiv die Effekte durch die Teilnahme sind. Daher werden wir das Label auch nach Ende des Förderprojektes weiter anbieten.“

 

...auf dem richtigen Weg

Germersheims Bürgermeister Marcus Schaile zeigt sich begeistert über die begehrte Auszeichnung: „Das uns nun übertragene Label ‘StadtGrün naturnah‘ dokumentiert doch ganz klar, dass wir uns hundertprozentig auf dem richtigen Weg befinden. Die Früchte der harten Arbeit der letzten Jahre, oder vielleicht sollte ich besser sagen, der letzten Dekade, von einer neutralen Institution bestätigt zu wissen, freut mich unglaublich. In diesem Zusammenhang möchte ich meinen Mitarbeitern und Mitarbeiterinnen von der ‚Grünkolonne‘ unseres Städtischen Betriebshofes unter der Leitung von Herrn Peter Weng ein ganz großes Lob aussprechen. Sie haben den Löwenanteil an unserer tollen Silbermedaille.“

   Seit 2018 intensiviert die Stadt Germersheim ihre Bemühungen, die vorhandenen Grünflächen naturnaher zu gestalten und den Naturschutz vor Ort insbesondere als öffentliche Hand zu stärken. Die Festungsstadt wurde im Jahr 2019 als eine von 14 Kommunen im aktuellen Labeling-Verfahren „StadtGrün naturnah“ ausgewählt. Im Rahmen des Verfahrens erfolgte eine umfangreiche Bestandsaufnahme der vorhandenen Flächen, der angewandten Pflegepraktiken sowie eine Maßnahmenplanung zur Förderung der Biodiversität im Stadtgebiet. Die Erkenntnisse aus der Teilnahme am Verfahren wurden in der Grünflächenstrategie der Stadt gebündelt und bilden die Grundlage für die Bewirtschaftung und Anlegung von Grünflächen in den kommenden Jahren.

   Dr. Sascha Hofmann, Baudezernent und Erster Beigeordneter der Stadt Germersheim, betont, dass „wir für uns die Weichen gestellt haben und klimaangepasst handeln, und das ganz bewusst. Wir pflanzen vermehrt Bäume im Stadtgebiet an, die sich dafür eignen, dem Klimawandel zu trotzen, da unsere einheimischen Laubbäume im Hinblick auf die längeren Hitzeperioden der letzten Jahre und die Verstärkung von Extremwettereignissen in Zukunft keine großen Überlebenschancen mehr haben werden. Ich würde es sehr begrüßen, wenn unsere klimaangepasste Grünflächenstrategie auch für andere Behörden ein Anstoß dafür sein könnte, von ihrer konservativen Auffassung abzurücken und sich einer klimafreundlichen, und damit nachhaltigen, Pflanzpolitik zuzuzwenden.“

   In Germersheim wurden z. B. in der Orffstraße und am Paradeplatz bereits sogenannte „Klimabäume“ wie der Amberbaum, der im Herbst durch seine markante Farbe besticht, der sich durch seine becherförmigen Blüten auszeichnende Tulpenbaum sowie die Esche gepflanzt. Alle drei Baumarten zählen zu den stabilen Klimawandelbäumen, die mit den veränderten Stressbedingungen, denen Gehölze im Stadtbereich vermehrt ausgesetzt sind, weitaus besser zurechtkommen als die in der Vergangenheit angepflanzten „traditionellen“ Laubbäume. - Simone Nelles

   Weitere Informationen zu dieser klimarelevanten Thematik sind auf folgenden Webseiten zu finden: - Label „StadtGrün naturnah“: https://www.stadtgruen-naturnah.de/ - Bundesprogramm Biologische Vielfalt: www.biologischevielfalt.de/bundesprogramm.html - Bündnis „Kommunen für biologische Vielfalt“: www.kommbio.de - Deutsche Umwelthilfe: www.duh.de

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