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Gläsernes Gotteshaus in Speyer

Ein Ägypter auf der Kanzel? Die Auferstehungsgemeinde ist offen für andere Kulturen und Ideen

Speyer (lk). Schon das Gebäude scheint eine „Kirche ohne Mauern“ zu sein. Pfarrer Uwe Weinerth von der Speyerer Auferstehungsgemeinde freut sich über das Licht und den frischen Wind, der durch seine Kirche im Süden der Stadt weht. In dem sonnendurchfluteten Glasbau aus dem Jahr 2002 hat seit drei Jahren eine Gruppe arabisch-sprachiger Christen eine Heimat gefunden. Eines ihrer Mitglieder, der Ägypter Wassiem Gayed, gestaltet als Lektor regelmäßig Gottesdienste und Bibelabende.

  „Für unsere Gemeinde ist das eine große Bereicherung“, sagt Weinerth. Die interkulturelle Arbeit ist nur ein Modul des Modells „Kirche ohne Mauern“, mit dem sich die Gemeinde für die „LabORAtorien“ der Evangelischen Kirche der Pfalz beworben hat. „Wir erproben eine Neuausrichtung protestantischer Spiritualität in unserer Gemeinde“, sagt Weinerth.

  Mit den Erprobungsräumen öffne sich die Landeskirche für neue Formen gemeindlichen Lebens, erklärt die für Gemeindeentwicklung zuständige Oberkirchenrätin Marianne Wagner. „Dabei geht es uns um die Ermutigung zu Initiativen missionarischen Gemeindeaufbaus und die Förderung von Zusammenarbeit über bisherige Grenzen hinaus.“ Auch die Auferstehungsgemeinde will Grenzen überwinden. Unter dem Motto „Kirche ohne Mauern“ seien Christen anderer Herkunft sowie Menschen auf der Suche nach neuen spirituellen Angeboten in die Auferstehungskirche eingeladen. „Bei uns sind alle willkommen“, betont Gemeindepfarrer Uwe Weinerth.

  Das Experiment eines interkulturellen Lektorenkurses, den die pfälzische und die hessen-nassauische Landeskirche gemeinsam 2019 angeboten hatten, ist nach den Worten des Leiters des Missionarisch-Ökumenischen Dienstes (MÖD), Pfarrer Thomas Borchers, gelungen: „Damit wurde es Menschen mit Migrationshintergrund ermöglicht, in der evangelischen Kirche eine Heimat zu finden.“ In der Pfalz ist der MÖD für die Ausbildung der Lektoren zuständig. Allerdings seien nur die wenigsten Absolventen des Kurses sprachlich in der Lage, Gottesdienste auf Deutsch zu gestalten, schränkt Borchers ein.

Aus Nigeria, Ägypten und aus dem Iran

  So wie Wassiem Gayed, der als einer von sechs pfälzischen Teilnehmern aus Nigeria, Ägypten und dem Iran den Lektorenkurs erfolgreich abgeschlossen hat und seitdem an der Auferstehungskirche in Speyer zu Gottesdiensten und Bibelabenden einlädt. Auch einen Chor haben die Mitglieder der arabisch-evangelischen Gruppe auf die Beine gestellt, die Mitglieder kommen aus Südhessen, Baden und der Pfalz. Die Bibelabende und Gottesdienste in arabischer und deutscher Sprache würden nicht nur von den Mitgliedern der arabisch-evangelischen Gruppe besucht, sondern auch von Kirchenmitgliedern aus dem Stadtteil und darüber hinaus. Während der Corona-bedingten Einschränkungen hätten Gayed und sein Team unkompliziert auf digital umgestellt, sagt Weinerth. Mit Erfolg, wie die Zahl seiner „Follower“ in den Sozialen Netzwerken zeige.

  „Für viele Kirchengemeinden sind Menschen mit einem anderen kulturellen Hintergrund eine bereichernde, aber ebenso eine herausfordernde Erfahrung“, erklärt MÖD-Leiter Borchers. „Die Erfahrung zeigt: Wo es in Gemeinden Personen gibt, die schon länger ‚angekommen‘ sind, die sich schon intensiver mit dem christlichen Glauben auseinandersetzen konnten und deren Deutschkenntnisse bereits gut sind – dort gelingt Integration deutlich besser.“ Uwe Weinerth, der neben seinem Gemeindepfarramt auch für Flüchtlingsarbeit zuständig ist, sieht das ähnlich. „Wir wollen uns weiter öffnen für Neues und Inspirierendes. Ganz im Sinne von ‚Kirche ohne Mauern‘.“

  Mehr zum Thema: www.moed-pfalz.de; www.auferstehung-speyer.de

 

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