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Mechthild Rössler trägt sich ins Goldene Buch des Doms zu Speyer ein. © Rössler

„Der Dom steht als Welterbe für eine globale Verantwortung“

Dr. Mechtild Rössler hielt die Festrede beim Festakt zu „40 Jahre UNESCO-Welterbe Dom zu Speyer“ / Grußworte von Ministerpräsidentin Malu Dreyer und Oberbürgermeisterin Stefanie Seiler

Speyer. - Mit zahlreichen Gästen aus Kirche, Politik und Gesellschaft wurde am Samstagabend im Speyerer Dom das 40-jährige Jubiläum der Auszeichnung der Speyerer Kathedrale als UNESCO-Welterbe gefeiert. Der Dom war 1981 nach dem Aachener Dom als zweites Bauwerk in Deutschland in die UNESCO-Welterbeliste aufgenommen worden.

 

Mechthild Rössler. - Bilder/7 © Bistum Speyer/Klaus Landry.

 

   Der Speyerer Dom ist der größte erhaltene romanische Kirchenbau der Welt und gilt als Idealtypus der romanischen Architektur. Als Grablege mit Kaisern, Kaiserinnen und Königen des Mittelalters gehört er zu den herausragenden Orten deutscher und europäischer Geschichte.

   Im Namen des Domkapitels begrüßte Weihbischof und Dompropst Otto Georgens die geladenen Gäste. Mit einem Mundartgedicht des Schriftstellers und Liedermachers Michael Bauer beschrieb Georgens augenzwinkernd das innige Verhältnis der Pfälzer zu ihrem Dom.

 

Otto Georgens.

 

   Die Festrede zum Thema „Welterbe – eine globale Verantwortung“ hielt Dr. Mechtild Rössler, ehemalige Direktorin des UNESCO Welterbezentrums in Paris (* in Ludwigshafen, Kinder- und Jugendzeit in Speyer, Abitur am Edith-Stein-Gymnasium, Speyer). Sie würdigte den Dom als eines der bedeutendsten Beispiele romanischer Baukunst in Europa und als Beispiel für die Entwicklung der Prinzipien der Restaurierung in Deutschland, Europa und in der Welt ab dem 18. Jahrhundert.

 

Wegen Corona war die Teilnahme am Festakt nur wenigen geladenen Gästen gegönnt.

 

   „Der Dom genießt zu Recht den Ruf eines sorgfältig konservierten Denkmals“, betonte Rössler. Die Stadt Speyer stehe exemplarisch für die Entwicklung der Welterbestätten, vom monumentalen christlichen Erbe in Gestalt des Domes, der 1981 in die Liste der UNESCO-Welterbes aufgenommen wurde, bis zum Erbe anderer Religionsgemeinschaften in Gestalt der SchUM-Stätten, die in diesem Jahr neu aufgenommen wurden.

 

Malu Dreyer.

 

   Die Umsetzung der Konvention zum Schutz des Kultur- und Naturerbes der Welt sei das „meist anerkannte internationale Rechtsinstrument zum Schutz von Naturgebieten und Kulturobjekten“. Die Welterbeliste umfasse inzwischen 1154 Welterbestätten in 167 Staaten. „Die Konvention ist Verbindung zwischen Völkern und Kulturen, zwischen Natur- und Kulturerbe und unterstützt die Nationen beim Schutz der kulturellen und biologischen Vielfalt“, so Rössler.

 

Stefanie Seiler.

 

   Sie warb für ein effektives Management der Welterbestätten. Hervorragende Erhaltungs- und Managementpraktiken tragen aus Sicht von Mechtild Rössler dazu bei, „mehr Menschen über unser kulturelles Erbe und die Notwendigkeit, es für zukünftige Generationen zu schützen, aufzuklären“. Dabei zähle vor allem Glaubwürdigkeit. „Sie betrifft uns alle, denn es geht beim Welterbe um unsere Vergangenheit, unsere Zukunft und die Zukunft unseres Planeten.“

 

Karl-Heinz Wiesemann.

 

   Als „steinerner Zeuge dafür, wie sehr unser Bundesland von seinen christlichen Wurzeln durchwirkt und durchformt ist“, würdigte Bischof Dr. Karl-Heinz Wiesemann den Dom. Er sei zugleich eine Mahnung, „dass die Verantwortung vor Gott, dem Urgrund des Rechts und Schöpfer aller menschlichen Gemeinschaft, wie es in der Landesverfassung heißt, auch in Zukunft die zentrale Grundlage allen politischen Handelns sein soll“. Tag für Tag würden viele Menschen ihren Alltag unterbrechen, um in den „bergenden Raum Gottes“ einzutreten. „In Gebet und Gottesdienst können wir uns immer wieder vertrauensvoll in die Hand dessen fallen lassen, von dem alles Gute und Frohmachende kommt und bei dem wir in schweren Stunden Trost und Halt finden“, so Bischof Wiesemann.

   Der Dom sei für alle Menschen da, so Wiesemann in seiner Begrüßung der anwesenden Kirchenpräsidentin der Evangelischen Kirche der Pfalz, Dorothee Wüst. Er verwies dabei auf die guten ökumenischen Beziehungen und den Leitspruch über dem Hauptportal des Domes „Ut unum sint – Dass sie eins seien“. Im Hinblick auf die im Welterbe aufgenommenen jüdischen Stätten in Rheinland-Pfalz bemerkte Wiesemann: „Was hätte der Menschheit erspart werden können, wenn man sich seiner Gemeinsamkeiten besonnen hätte?“

 

An der Hauptorgel und Chor-Orgel spielte Markus Eichenlaub.

 

   Die zentrale Botschaft des Domes fasste er in die Worte: „Wir dürfen darauf vertrauen, dass über der Welt in ihrer Vorläufigkeit und Zerbrochenheit der Himmel offen steht und dass Gott uns als seinen Erben Hoffnung und Zukunft schenkt.“ Der Bischof dankte allen, die dem Dom verbunden sind, den Mitgliedern der Europäischen Stiftung Kaiserdom und des Dombauvereins, den Unterstützern aus Politik, Wirtschaft und Bürgerschaft sowie allen Freunden und Förderern der Speyerer Kathedrale.

   „Nach rund 1.000 Jahren seines Bestehens ist der Dom zu Speyer noch immer Kristallisationspunkt unserer historisch gewachsenen Identität. Den einen ist er in erster Linie Gotteshaus und Ort der Kontemplation, den anderen Kunstwerk und Schauplatz europäischer Geschichte. In einem sind wir uns aber einig: Er ist uns wichtig und wir wollen ihn bestmöglich erhalten“, sagte Ministerpräsidentin Malu Dreyer.

   Das Land Rheinland-Pfalz engagiere sich daher seit vielen Jahren für den Erhalt dieses bedeutenden Kirchenbaus, indem es 40 Prozent der Kosten an allen substanzerhaltenden Maßnahmen übernehme, so die Ministerpräsidentin. Sie wies auch darauf hin, dass es vieler Schultern bedürfe, um den Dom welterbewürdig zu erhalten, und dankte daher allen, die sich seit vielen Jahren um den Erhalt dieses Wahrzeichens des Landes bemühen.

   Die Ministerpräsidentin sprach auch über die Bedeutung der Anerkennung der SchUM-Stätten durch die UNESCO als Welterbe. „Die Denkmäler der SchUM-Städte sind nicht nur steinerne Zeitzeugen einer außergewöhnlich reichen jüdischen Geschichte in unserem Land. Sie stehen auch für den Kulturtransfer zwischen Christentum und Judentum und mahnen uns, dies als gemeinsame große Chance zu sehen. In Zukunft können wir hier am Beispiel von Speyer die bereichernden Beziehungen zwischen den Religionen und Kulturkreisen einer Weltöffentlichkeit auch authentisch vermitteln. Dies entspricht dem Kernanliegen der UNESCO, zu dem das Land Rheinland-Pfalz selbstverständlich auch weiterhin engagiert seinen Beitrag leisten wird“, so Ministerpräsidentin Malu Dreyer.

   Die Speyerer Oberbürgermeisterin Stefanie Seiler unterstrich die Bedeutung des Domes für die Stadt Speyer: „Wir sind stolz auf den Dom, der zu Speyer einfach dazugehört.“ Es freue sie, dass die Stadt Speyer seit diesem Jahr zusätzlich zum Dom mit den SchUM-Stätten nun noch ein zweites Welterbe habe: „Eine Stadt mit einem zweifachen Welterbe ist einzigartig in Rheinland-Pfalz.“

   Die musikalische Gestaltung des Festaktes lag in den Händen von Domorganist Markus Eichenlaub. Er trug auf der Hauptorgel Werke von Louis Vierne, Sigfrid Karg-Elert und Max Reger, sowie auf der Orgel auf dem Königschor von Jan Peterszoon Sweelinck, vor.

 

Festkonzert der Dommusik

   Die Feierlichkeiten zum Jubiläum wurden bereits am Freitagabend mit einem Festkonzert der Dommusik eröffnet. Unter dem Titel „Klingender Dom“ waren der Konzertchor des Mädchenchores, die jungen Männerstimmen der Domsingknaben und der Domchor zu hören. Auch Domorganist Markus Eichenlaub und eine große Formation der Dombläser wirkten an dem Konzert mit. Ein Höhepunkt war die Uraufführung einer Auftragskomposition mit dem Titel „MUNDUS NOVUS - DIE NEUE WELT“ von Enjott Schneider, der einer der bedeutendsten deutschen Komponisten ist. Außerdem erklang Musik im gregorianischen Choral, von Anton Bruckner und Olivier Messiaen.

   Ein besonderes Angebot an UNESCO-Welterbe-Führungen bot am Samstag Gelegenheit, Bereiche des Domes kennenzulernen, die sonst nicht zugänglich sind. Im Dom informierte eine Ausstellung über die aktuellen Restaurierungsmaßnahmen und Bauaufgaben und zeigte damit die vielfältigen Herausforderungen des Domerhalts auf. Weitere Informationen: www.dom-zu-speyer.de – Presse/Bistum Speyer

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