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Rudolf Müller, Bernadette Schoog, Wolfgang Bosbach

Zwischen Büttenrede und Bergpredigt“

Wolfgang Bosbach spricht beim Wirtschaftsforum der Vereinigten VR Bank Kur- und Rheinpfalz in voll besetzter Speyerer Stadthalle

Speyer. - Wo steht Deutschland gerade – und was sollte sich in Politik, Wirtschaft und Gesellschaft ändern, um international nicht den Anschluss zu verlieren? Diese Fragen standen im Zentrum eines Vortrags von Wolfgang Bosbach beim Wirtschaftsforum der Vereinigten VR Bank Kur- und Rheinpfalz in der Speyerer Stadthalle an diesem Dienstag. Mit über 650 Besuchern war das Interesse am diesjährigen Wirtschaftsforum so groß, dass die Veranstaltung über eine Leinwand zusätzlich in den kleinen Saal der Stadthalle übertragen wurde. Moderiert hat den unterhaltsamen Abend Bernadette Schoog.

Rudolf Müller (4. v. l.) mit Bernadette Schoog, Wolfgang Bosbach, Speyers Bürgermeisterin Monika Kabs, Landtagsabgeordneten Michael Wagner (Speyer), "eingerahmt" von Führungskräften der Bank.

 

  Das Wirtschaftsforum der Vereinigten VR Bank Kur- und Rheinpfalz, auf dem jeweils ein prominenter Gastredner zu einem aktuell relevanten Thema spricht, fand in diesem Jahr bereits zum zwanzigsten Mal statt. Neben FAZ-Herausgeber Frank Schirrmacher haben beispielsweise auch Hans-Joachim Watzke, Malu Dreyer oder Alt-Bundespräsident Christian Wulff bereits auf dem Wirtschaftsforum gesprochen.

  Ganz im Zeichen des Hauptvortrags „DAS muss sich ändern – Klartext mit Wolfgang Bosbach“ bot das diesjährige Wirtschaftsforum eine kritische Bestandsaufnahme dessen, wo sich Deutschland derzeit in die falsche Richtung bewegt und auf welche Prinzipien und Werte sich Gesellschaft, Wirtschaft und Politik stattdessen besinnen sollten. Denn trotz starker Binnennachfrage, hoher Unternehmensgewinne und sprudelnder Steuereinnahmen besteht in Deutschland in vielerlei Hinsicht Handlungsbedarf, so Rudolf Müller, Vorstandssprecher der Vereinigten VR Bank Kur- und Rheinpfalz, in seiner Begrüßungsrede. Schuld daran seien oft äußerst langwierige Genehmigungsverfahren, bei denen die Partikularinteressen Einzelner vor das Gemeinwohl gestellt würden.

  „Wir müssen uns fragen, in welchem Land wir leben wollen“, so Rudolf Müller. „In einem Land der ängstlichen Zauderer? Oder in einem Land, das sich seiner Verantwortung stellt – indem es sich auf seine legendäre Ingenieurskunst, seinen Gründergeist und seine Entschlossenheit besinnt, um mit der Wende zu einer ressourcenschonenden, nachhaltigen sozialen Marktwirtschaft wieder ein Beispiel zu geben?"

Kurzweiliger, pointierter Vortrag von Wolfgang Bosbach

  Wolfgang Bosbach knüpfte in seinem kurzweiligen, pointierten und streckenweise fast schon kabarettistischen Vortrag – er selbst beschreibt seinen Rhetorikstil als Mischung aus Büttenrede und Bergpredigt – in vielerlei Hinsicht an die Diagnose von Rudolf Müller an. Bosbach war bis zu seinem Ausscheiden im Oktober 2017 langjähriges Mitglied des Deutschen Bundestages, wo er unter anderem stellvertretender Vorsitzender der Unionsfraktion und bis Mitte 2015 Vorsitzender des Innenausschusses war. Derzeit drohe Deutschland, so Bosbach, in vielen Bereichen abgehängt zu werden. Das habe er erst zuletzt wieder bei einem Urlaub in Oman feststellen können: „Der Internetempfang dort war – ob nun in der Wüste oder im Gebirge – überall tadellos. Bei uns kommen die Funklöcher hingegen bereits zwischen Köln und Bergisch-Gladbach.“

  Er sei jedoch, betonte Bosbach, optimistisch, dass sich Deutschland seiner Stärken besinnen könne, zumal Deutschland viel Positives zu bieten habe – angefangen bei der raschen Erholung der deutschen Volkswirtschaft nach der letzten Finanzkrise über seine hohe politische Stabilität bis zu einer sehr dichten Hochschullandschaft. „Die meisten Menschen auf der Welt würden sofort mit uns tauschen. Bei allen Problemen ist es unser heutiges Deutschland das beste Deutschland, das wir je hatten.“ -Miriam Lambert, Agentur Carta, Speyer-/Bilder © Bernhard Bumb

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