RHEIN-NECKAR SPEYER-REPORT PFALZ-REPORT

Bilder v. l.:  Joachim Vatter, Heinz-Peter Schneider, Generalvikar Dr. Franz Jung, Bischof Dr. Karl-Heinz Wiesemann, Ulrike Mahler, Leiterin der katholischen Kindertagesstätte Mariä Himmelfahrt in Speyer.

Fotos: Bernhard Bumb

 

 

 

 

25.01.2012


 


 

Bistum will Profil katholischer KiTas stärken

 

Leitlinien zur Profilentwicklung vorgestellt

Religiöse Erziehung ein Schwerpunkt


Speyer (is). Mit Leitlinien zur Profilentwicklung will das Bistum Speyer die Arbeit in den 240 katholischen Kindertagesstätten in der Pfalz und Saarpfalz stärken. In einer 16-seitigen Rahmenbroschüre, die am Mittwochabend (25. Januar) in Kaiserslautern rund 300 Kita-Verantwortlichen vorgestellt wird, wird ein besonderer Schwerpunkt auf das religiöse Fundament der Erziehung gelegt. „Mit der Einführung der Leitlinien verbinde ich die Zuversicht, dass ein klares Profil nicht nur nach innen verdeutlicht, wofür man steht, sondern auch nach außen die Attraktivität kirchlicher Kindertageseinrichtungen steigert. Als Kirche haben wir einen gesellschaftlichen Auftrag, dem wir gerne und mit Überzeugung nachkommen“, so Bischof Dr. Karl-Heinz Wiesemann im Vorwort zu den Leitlinien, die sich als Instrument der Qualitätssicherung verstehen.

Auf einer Pressekonferenz in Speyer verwies der Bischof darauf, dass der rasche gesellschaftliche Wandel zu großen Veränderungen im Bereich der frühkindlichen Erziehung geführt habe. „Als Kirche stehen wir vor der Aufgabe, uns selbst und allen, die uns ihre Kinder anvertrauen, Rechenschaft darüber abzulegen, wer wir sind und welche Ziele wir verfolgen, wenn wir eigene Kindertageseinrichtungen unterhalten.“

Der Bischof bezeichnete die religiöse Erziehung und Bildung als „ein zentrales Qualitätsmerkmal katholischer Kindertageseinrichtungen“. Als Querschnittsaufgabe für alle weiteren Bildungsaufgaben biete sie Erfahrungen, Inhalte und Werte an, „die das Ich des Kindes stärken, seine Gemeinschaftsfähigkeit fördern und sein Vertrauen in Gott und ins Leben festigen“.

Die katholischen Kindertagesstätten hätten, so der Bischof, einen pastoralen Auftrag für die Menschen. „Sie unterstützen Eltern bei der christlichen Erziehung und Bildung ihrer Kinder. Gleichzeitig eröffnen sie kirchendistanzierten Eltern und ihren oft ungetauften Kindern die Möglichkeit, den katholischen Glauben kennen zu lernen oder wiederzuentdecken.“ Nicht zuletzt vermittelten die Einrichtungen Erfahrungen von religiöser und kultureller Pluralität. „Kinder und Eltern lernen religiöse und kulturelle Unterschiede und Gemeinsamkeiten kennen und entwickeln ein Bewusstsein der eigenen religiösen und kulturellen Zugehörigkeit und Identität.“

Die neuen Leitlinien geben einen klaren und verbindlichen Rahmen vor. Sie lassen aber genügend Raum für vielfältige Konkretisierungen vor Ort, die den Besonderheiten jeder Einrichtung Rechnung zu tragen haben. Ziel ist es, den Trägern und Einrichtungen zu helfen, „über die Formulierung eines eigenen Leitbildes mit Hilfe der Leitlinien ihre Arbeit bewusster zu gestalten und das katholische Profil der Einrichtung herauszuarbeiten“.

Zudem wird das Bistum im Frühjahr 2012 in einigen ausgewählten Kindertagesstätten ein Pilotprojekt zur Qualitätssicherung starten. Dabei wird an den Leitbildprozess ein Qualitätsmanagementprozess angekoppelt. „Das auf drei Jahre angelegte Projekt soll helfen Erfahrungen zu sammeln, wie ein erarbeitetes Leitbild mit Leben gefüllt wird und sich im Handeln der Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen widerspiegeln kann“, so Heinz-Peter Schneider, im Bischöflichen Ordinariat Speyer Referent für Qualitätsmanagement in Kindertagesstätten. In den Folgejahren soll dieser Prozess auf alle katholischen Kindertageseinrichtungen ausgeweitet werden.

Generalvikar Dr. Franz Jung betonte, der Kita-Leitbild-Prozess sei im Zusammenhang mit dem Konzept „Gemeindepastoral 2015“ zu sehen. Die Kindertageseinrichtungen seien ein ganz zentraler Bestand der Pfarreienlandschaft. Gerade an ihnen lasse sich besonders deutlich zeigen, wie die vier Grundprinzipen des 2015-Prozesses „Spiritualität“, „Evangelisierung“, „Anwaltschaft“ und „Weltkirche“ zusammenhängen und wie eine Erneuerung der Pastoral gelingen könne.

Für die katholische Kindertagesstätte Mariä Himmelfahrt (Dompfarrei), in der die Pressekonferenz stattfand, erläuterten deren Leiterin Ulrike Mahler sowie Erzieherin Marcella Zehfuß, wie ein Leitbild im Alltag umgesetzt werden kann. Entscheidend sei dabei vor allem, dass religiöse Erziehung nicht „gesondert gemacht“, sondern „tagtäglich gelebt“ werde. In der Einrichtung in der Engelsgasse würden biblische Geschichten vorgelesen, kirchliche Feste gefeiert, gemeinsam gebetet. Wichtig sei auch der Austausch mit Kindern und Eltern anderer Religionen. Daraus entwickelten sich nicht zuletzt unter den Kindern oft „spannende und sehr schöne Gespräche“. Besonderen Wert legt die Kindertagesstätte zudem auf einen engen Kontakt zur Dompfarrei. Vor allem die sonntägliche Kinderkirche in St. Bernhard sei ein gutes Bindeglied, hob Luise Gründer hervor, deren Tochter die Kita Mariä Himmelfahrt besucht.

Im Bistum Speyer besuchen derzeit rund 14 000 Kinder die 245 Kindertagesstätten, die von den katholischen Kirchengemeinden (in 206 Fällen) und sonstigen kirchlichen Institutionen wie den Elisabethenvereinen (28) und dem Caritasverband getragen werden. Die Einrichtungen stehen allen offen - unabhängig von Konfessions- oder Religionszugehörigkeit. Für die Kita-Arbeit stellt die Diözese jährlich rund 15 Millionen Euro aus Kirchensteuermitteln zur Verfügung.