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Aus der Serie Shelter © Kulturraum Galerie

Ausstellung „Good Times will come again“

Werke von Fahar Al-Salih

Vernissage: Sonntag, 26. Febr. 2023 11.30 Uhr, Einführung: Maria Franz, Musik: Christoph Stadtler (Gitarre) und Catalina Olea (Gesang), Ausstellung vom 26. Februar bis 2. April 2023. Den Künstler Fahar Al-Salih könnte man als eine Art Brückenbauer zwischen den Kulturen bezeichnen.

   1964 in Belgrad als Sohn eines Irakers und einer Serbin geboren, lernte er das damalige Jugoslawien nicht als Heimat kennen, sondern wuchs in Kuwait auf.  Seine Biographie ist von verschiedenen Stationen, beispielsweise Wien, Bratislava, London, Dubai… geprägt.

   Egal wo er sich aufhielt, es interessieren ihn gesellschaftliche Prozesse, Umbrüche und Zäsuren, die entstehen, wenn Menschen ihre Heimat verlassen müssen. Was bedeutet Heimat? Wie stellt man einen so aufgeladenen Begriff visuell dar?

   Die Ausstellung „Good Times will come again“ gibt Einblicke in das Werk des Künstlers und zeigt anhand seiner Serien „Shelter" und seinen Mosaik-Bildern, welche visuellen Antworten er auf große Fragen zu Heimat gefunden hat.

   Die Arbeiten zeugen sowohl von seiner kulturellen Herkunft, als auch von seiner Auseinandersetzung mit der zeitgenössischen westlichen Kunst, expressiv, vielfältig, Actionpainting, Portraits, geometrischen Schwamm-Mosaiken und fotografische Arbeiten - Lebensrealitäten im Bagdad Blues.

   Seine Farbexplosionen sind verdichtete teils mystische Stimmungen aus der Intimität seiner Heimat und einem absolut genialen Farbempfinden. Es entstehen lichtdurchflutete Farbakkorde und Brechungen.

   Fahar malt mit ganzem Körpereinsatz kraftvolle, abstrakte Bilder. Bei Actionpainting ist der Künstler unmittelbar im Bild, die Arbeit entsteht durch Berühren der Leinwand um ihn herum. Seit 2009 entstehen Werkserien unter dem Titel „Shelter“ - Schutzorte werden zum zentralen Thema,  das sich durch sein künstlerisches Schaffen zieht  -  Kunst als Rückzugsort, Wiesen, Hütten, Berge - Heimat als Sehnsuchtsort stellen für Fahar eine Art Freiheit dar, seit er sich erinnern kann. Hütten wurden das Sinnbild  für die Suche nach Schutz und Geborgenheit, er nennt die Werkserie „Shelter“.

   Er führt uns in verschiedene Landschaften mit unterschiedlichen Atmosphären. Die Landschaften sind fiktiv, sogenannte Gedankenorte, wobei der Prozess wichtiger ist als das finale Werk. Es gibt nie eine Vorstudie für den Künstler.

   Fahar experimentiert gerne mit verschiedenen Farbtemperamenten und Materialien -  so entstanden u. a. aus einem Alltagsgegenstand künstlerische Objekte -  Schwammbilder, die seine einzigartige energetische, konsequente Handschrift tragen.

   Der Industrieschwamm ist wie der Lehm der klassischen Mosaike formbar und weich, erst durch Verhärtung des Materials mit Harz erlangt er  Unveränderlichkeit und Beständigkeit.

   Fahar ordnet sie zu wunderbaren Kompositionen, sie werden atmosphärische Träger von Farbharmonien. Malerei wird zum sichtlichen Ereignis, das die Stimmung der Orte einfängt.

   Sie bilden eine Brücke zu den islamischen Mosaikkünsten, die ihn schon als Kind fasziniert haben, besonders der Glanz und die Farben.  Diese alte Kunst zu abstrahieren mit puren Farbmosaiken, in einer neuen und modernen Form, keine Symmetrie, keine Perfektion präsentiert Fahar die Essenz der genialen Farbkombinationen

   Auf den ersten Blick vermutet man, dass es sich um Keramiken handelt, erst bei näherer Ansicht wird das neue Material durch die ungewöhnliche Tiefe der Schwammstruktur entdeckt.

   Fahars expressive Werke sind weltweit gefragt und gezeigt in zahlreichen Ausstellungen national und international,  zuletzt in Bagdad mit einem spektakulären Aufbau auch im Außenbereich -  das NatonalMuseum Bagdad hat ein Werk angekauft; es reihen sind viele Städte und Länder in die Ausstellungsorte.

   Vor vier Jahren war unsere erste große Ausstellung mit Fahar Al-Salih, die mit Begeisterung aufgenommen wurde. Fahar lebt seit 1996 in Deutschland und ist als freischaffender Künstler tätig, Er studierte in den Meisterklassen bei Prof. Markus Lüpertz, Prof. Hermann Nitsch und Jerry Zeniuk.

   Im Zuge der Ausstellung wird auch der erste umfangreiche Katalog „Jenseits von Märchen I“des Künstlers präsentiert. Im Zentrum steht die Perspektive des Künstlers, Brücken zwischen dem europäischen und dem arabischen Kulturraum zu bauen.

   Der Katalog gibt Einblicke in Themen zu Heimat, Fernweh, gesellschaftlichen und politischen Umbrüchen und lässt den Künstler immer wieder zu Wort kommen. Es entsteht eine intelligente Verwebung zwischen globalen Perspektiven und migrantischer individueller Realität. - Presse/Galerie Kulturraum

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